Welche Faktoren beeinflussen die Torsen‑Sperrwirkung?
Das Torsen‑Differenzial vom Typ B hat keine interne Einstellung für Drehmomentverteilung oder Sperrwirkung. Im Gegensatz zu einem offenen Kegelraddiff kann man es nicht über Ölviskosität abstimmen. Aber—Du kannst das Verhalten des Torsen über äußere Bedingungen beeinflussen.
Ein Torsen arbeitet durch:
Gaseingabe + Haftungsunterschied links/rechts + Zahnradgeometrie
Hier sind fünf Wege, wie du die Sperrwirkung beeinflussen kannst.
1. Gaseingabe (Motorleistung)
Die Sperrwirkung entsteht durch:
Eingangsdrehmoment × Zahnradwinkel = Selbstsperrkraft
- Mehr Gas → stärkere Sperrung
- Weniger Gas → freier, wie ein offenes Diff
Darum fühlt sich ein Torsen linear und gut kontrollierbar an.
2. Größerer Haftungsunterschied links/rechts → stärkere Sperrung
Die Grundlogik des Torsen: „Mehr Drehmoment an das Rad mit Grip.“
Also:
- Ein Rad dreht durch → das andere bekommt mehr Kraft
- Großer Grip‑Unterschied → starke Sperrung
- Kleiner Unterschied → Verhalten wie offenes Diff
Das macht das Torsen „intelligenter“ als ein Kegelraddiff.
3. Reifenwahl beeinflusst das Torsen‑Verhalten
Viele Fahrer übersehen das:
- Weiche / griffige Hinterreifen → sperrt leichter
- Harte / rutschige Reifen → freieres Verhalten
Kurz gesagt: „Mehr Grip = stärkere Torsen‑Sperrung.“
4. Fahrwerkseinstellung beeinflusst die Drehmomentverteilung
Vor allem das Heck:
- Mehr Anpressdruck hinten → sperrt leichter
- Hinterrad hebt ab / hoppelt → sperrt schlechter
Beispiele:
- Härtere Dämpfer hinten → Rad hebt leichter → weniger Sperrung
- Weichere Dämpfer → Räder bleiben am Boden → stabilere Sperrung
5. Mittel‑/Vorderdiff beeinflusst das Hinter‑Torsen
Zum Beispiel:
- Zu dünnes Mitteldiff → Drehmoment wandert → instabiles Torsen‑Verhalten
- Dickeres Mitteldiff → stabilerer Input → gleichmäßigeres Torsen‑Verhalten
Darum empfehlen wir: Hinteres Torsen + etwas dickeres Mitteldiff‑Öl
Wie beeinflusst die Ölviskosität ein Torsen‑Differenzial?
Öl ändert nicht das Torque Bias Ratio (TBR) oder die echte Sperrwirkung. Aber es beeinflusst:
1. Rotationswiderstand (Drag)
- Dickes Öl → mehr Widerstand → langsamer, stabiler
- Dünnes Öl → weniger Widerstand → schneller, lebendiger
Das verändert das Gefühl, nicht die Sperrkraft.
2. Empfindlichkeit bei wenig Gas
Bei kleinen Gaseingaben:
- Dickes Öl → ruhiger, weniger nervös
- Dünnes Öl → reaktiver, schnellerer Kraftwechsel links/rechts
Das verändert den Einsatzpunkt, nicht das TBR.
3. Temperaturverhalten
- Dickes Öl bleibt stabiler bei Hitze
- Dünnes Öl wird noch dünner → schnelleres Ansprechen
Setup‑Tipps für Fahrer
Für ein ruhigeres, stabileres Torsen → etwas dickeres Öl
Ideal für:
- Große Fahrzeuge (z. B. Losi 5T)
- Langstrecken
- Heiße Bedingungen
- Einsteiger
Für ein schnelleres, direkteres Torsen → etwas dünneres Öl
Ideal für:
- Technische Strecken
- Fahrer, die ein „direktes“ Gefühl mögen
- Kalte Bedingungen
Zum Schluss empfehlen wir unseren Leitfaden „Wie man Torsen‑Setups auswählt“.




